Harn-Inkontinenz kann man behandeln

Wenn sich die Harninkontinenz zum ersten Mal bemerkbar macht, wird das Problem in der Regel verdrängt. Die Betroffenen hoffen, dass die Harninkontinenz wieder vorübergehen wird. Oft wird sie auch als normale Erscheinung des Alterns gesehen, mit der man sich abfinden muss.
Dabei kann eine Harninkontinenz in den meisten Fällen behandelt werden. Denn eine schwache Blase ist meist kein unabwendbares Schicksal. Machen Sie den ersten Schritt und schenken sich wieder ein Stück mehr Freiheit!
Der Arzt bezeichnet den Verlust der Fähigkeit, Urin bewusst zurück zu halten und den Zeitpunkt der Entleerung selbst zu bestimmen, als Harninkontinenz.
Verschiedene Formen der Harninkontinenz
Die am häufigsten vorkommende Form ist der unwillkürliche Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder schweren Heben - die so genannte Belastungsinkontinenz. Bei körperlichen Anstrengungen, Anspannungen oder Belastungen erhöht sich der Druck auf den Bauchraum. Wenn dabei die Verschlusskraft des Schließmuskelapparates nicht mehr ausreicht, wird ein unwillkürlicher Harnverlust ausgelöst.
Davon zu unterscheiden ist die Dranginkontinenz. Wer von ihr betroffen ist, muss überdurchschnittlich häufig auf die Toilette gehen. Der Harndrang tritt dabei oft überfallartig ein und ist so stark, dass bereits Urin verloren geht, bevor die Toilette erreicht wird.
Darüber hinaus gibt es eine Mischform aus Belastungs- und Dranginkontinenz sowie weitere, jedoch sehr seltene Formen.
Es gibt heute zahlreiche Möglichkeiten, Harninkontinenz zu behandeln. Scheuen Sie nicht den Weg zu Ihrem Haus- oder einem Facharzt. Von diesem können Sie sich beraten lassen, welche Methode für Sie am meisten Erfolg verspricht.
Die Wahl der Behandlung hängt vor allem für Sie davon ab, welche körperlichen Ursachen des ungewollten Harnverlusts diagnostiziert werden und in welcher Form er auftritt. Bei der Harninkontinenz gibt es - abhängig von der Form - grundsätzlich drei unterschiedliche Wege der Therapie:
- physiotherapeutische Methoden
- Medikamente und
- operative Verfahren
Wie funktioniert eigentlich die Blase?
Wenn die Blase normal funktioniert, wird sie im Alltag kaum wahrgenommen. Das liegt daran, dass ein Großteil der hochkomplexen Blasenfunktionen ohne Beteiligung des Willens gesteuert wird. In der Füllphase der Blase beispielsweise müssen im Körper viele Vorgänge gleichzeitig ablaufen bzw. koordiniert werden. Der Mensch wäre hier mit einer bewussten Steuerung überfordert. Das Organ macht sich lediglich dann bemerkbar, wenn es so stark gefüllt ist, dass eine Entleerung notwendig wird. Der Mensch spürt dann einen schnell stärker werdenden Drang, eine Toilette aufzusuchen. Bis dahin kann er den Urin jedoch üblicherweise zurückhalten, indem er willentlich den Schließmuskel der Harnröhre anspannt.
Steuerung der Blasenfunktion
Die unbewusste Steuerung der Blase geht - wie die bewusste auch - vom Zentralen Nervensystem aus, das durch ein komplexes System von Nerven mit allen Organen verbunden ist. Das Gehirn empfängt Signale von der Blase und sendet Signale an Blase und Harnröhre zurück. Bei der Weiterleitung dieser Signale spielen verschiedene Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, eine wesentliche Rolle. Letztendlich bestimmen die Neurotransmitter, ob sich die Muskeln an Blase und Harnröhre zusammen ziehen oder ausdehnen.
Die Füllphase der Blase
Aus dem Blutplasma filtern die Nieren ständig Urin, der sich dann in der Blase ansammelt. Der steigende Fülldruck der Blase bewirkt in Koordination mit dem Gehirn die Freisetzung von Neurotransmittern. Diese vermitteln zum einen die Entspannung der Muskulatur, die für das Austreiben des Urins zuständig ist. Die Blase kann sich so weiter füllen, ohne dass in ihr der Druck steigt. Zum anderen zieht sich die Muskulatur der Harnröhre mit dem Schließmuskelapparat zusammen. Der Urin kann nicht aus der Blase entweichen. Zusätzlich kann die Verschlusskraft des Schließmuskels auch willentlich erhöht werden.
Die Entleerungsphase der Blase
Wenn die Blase ihre maximale Füllmenge erreicht, wird die Entleerung in die Wege geleitet. Auch dies geschieht in Koordination mit dem Gehirn. Die harnaustreibenden Muskeln ziehen sich zusammen, gleichzeitig entspannt sich die Schließmuskulatur. Der Urin wird so aus der Blase herausgepresst. Der Mensch kann dies willentlich bzw. bewusst aufschieben, indem er den Harnröhrenschließmuskel zusammenzieht. Bei einer Dranginkontinenz meldet die Blase zu früh, dass sie gefüllt ist. Sie kann sich unwillentlich zusammenziehen und den angesammelten Urin vorzeitig entleeren.
Druckverhältnisse und Blasenfunktion
Die Druck- und Spannungsverhältnisse im Unterleib sind entscheidend für die normale Funktion der Blase. Sie können sich nicht nur durch das Einwirken von Signalen aus dem Gehirn verändern, sondern auch durch die Verlagerung einzelner Organe. So liegen Blase, Harnröhre und Scheide im Normalfall eng beieinander und stützen sich gegenseitig. Wenn das Gewebe im Beckenboden geschwächt wird und sich die Gebärmutter absenkt, ändert sich auch die Lage der Scheide. Der Harnröhre fehlt in der Folge der Gegendruck, weshalb sie einer gefüllten Blase weniger Verschlusskraft entgegenhalten kann. Aus einer solchen Verlagerung von Organen und körperlichen Belastungen, wie z.B. beim Husten, Niesen, Lachen und schwerem Heben kann eine Belastungsinkontinenz entstehen.
Tipps für den Alltag
Körperpflege im Intimbereich
Wenn Urin auf die Haut gelangt, sollte er möglichst rasch abgewaschen werden. Verwenden Sie dazu spezielle Waschlösungen, keinesfalls aber Seife. Besonders bei häufigem Waschen strapaziert das die Haut. Mittlerweile gibt es spezielle pH-neutrale Waschlotionen für den Intimbereich. Achten Sie darauf, die Haut danach vollständig zu trocknen. So vermeiden Sie Hauterkrankungen. Hautpflegende Lotionen oder Cremes unterstützen die natürliche Schutzfunktion der Haut.
Einlagen
Außer in sehr leichten Fällen sollten Sie bei Harninkontinenz keine normalen Slipeinlagen verwenden. Es gibt spezielle Einlagen, die den Urin trocken und geruchsneutral einschließen. Mittlerweile sind viele verschiedene Modelle auf dem Markt, die größtenteils auch sehr unauffällig getragen werden können.
Trinken
Sie sollten auf keinen Fall versuchen, das Problem zu lösen, indem Sie weniger trinken. Dieses Vorgehen schadet der Gesundheit und schafft keine Abhilfe bei Harninkontinenz. Der Körper benötigt im Schnitt etwa zwei Liter Flüssigkeit am Tag. Wenn man wesentlich weniger zu sich nimmt, kann das auch negative Auswirkung auf die Blase haben. In der Blase können sich Bakterien befinden, die durch den Urin ständig ausgeschwemmt werden. Wenn sich die Blase durch zu wenig Trinken nicht mehr richtig füllt, vermehren sich die Bakterien und dies kann zu Erkrankungen führen.
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