Gebärmutterhalskrebs - Heilungsrate von 97%
An der Universität Leipzig wurde eine neue Operationsmethode entwickelt - die totale mesometriale Resektion (TMMR). Der Gebärmutterhalskrebs, das sog. Zervixkarzinom kann mittels der TMMR sicherer und schonender behandelt werden. Studien haben weiterhin aufgezeigt das eine anschließende Strahlentherapie nicht mehr nötig ist. Basis für die Entwicklung der neuen Behandlungsmethode sind die Erkenntnisse Leipziger Gynäkologen und Gynäkopathologen zur Ausbreitung des Tumors nach seiner embryonalen Herkunft.
Sichere und schonende Operationsmethode
Entwickler der neuen TMMR-Operationstechnik ist Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Michael Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik (Triersches Institut) Leipzig und Spezialist in der Behandlung von Krebserkrankungen des Genitalbereiches der Frau. Neue Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Beckenanatomie der Frau sowie der Tumorausbreitung im menschlichen Gewebe innerhalb eines anatomischen Kompartiments (unterschiedliche Reaktionsräume in der Zelle), bilden die Basis zur Entwicklung der TMMR. Das lokale Ausbreitungsgebiet des Tumors wird hiernach aus der Embryonalentwicklung determiniert (bestimmt). Daraus folgt, dass sich der Krebs vom Entstehungsort her nicht einfach räumlich ausbreitet, sondern in den Strukturen des Gewebes aus denen er embryonal hervorgegangen ist, wächst.
Obwohl es keine mechanische Trennwand gibt, ist das der Grund weshalb die angrenzende Harnblase, während einer frühen Karzinomausbreitung nicht vom Gebärmutterhalskrebs befallen ist. Weiter entferntes Gewebe mit gleicher embryonaler Struktur kann hingegen vom Tumor befallen werden. Langfristige Studien haben diese Erkenntnisse in ausreichendem Maß belegt. Prof. Höckel und sein Team entfernen den Gebärmutterhalskrebs nun konsequent in seinen anatomischen Kompartimenten. Artfremdes Gewebe wie Harnblase, Enddarm und angrenzende Nerven werden somit verschont.
Patientinnen entlastet weil Strahlentherapie entfällt
Durch die konsequente Entfernung des gesamten für den Befall geeigneten Gewebes, kann eine Nachbehandlung mittels Strahlentherapie entfallen. Durch die punktgenaue Behandlung ist diese nun auch sicherer und schonender für die Patientin. Mit einer jetzt erreichbaren Heilungsrate von 97 Prozent, frühere Heilungsraten lagen bei 80-85%, ist dieser neue Behandlungsstandard dem bisherigen weit überlegen. Die von Prof. Höckel eingeführte OP-Technik erweist sich auch als bahnbrechende Strategie für die Therapie anderer Genitalkarzinome.
Bahnbrechende Innovation in der operativen Krebstherapie
Das deutsche Krebsregister weist für Deutschland ca. 6200 jährliche Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs aus. Die bisher verwendete Operationstechnik nach Wertheim wurde im 19. Jahrhundert entwickelt und gilt bis heute als Goldstandard in der operativen Behandlung des Gebärmutterhalskrebses. Diese Operationstechnik ist jedoch nicht unproblematisch und mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Durch die weiträumige Entfernung des Tumors werden oft die für die Regulierung der die Blasen-, Enddarm- und Vaginalfunktionen wichtigen Nerven verletzt. Zusätzlich ist neben der Operation eine begleitende, häufig mit deutlichen Nebenwirkungen behaftete, Strahlentherapie nötig.
Die totale mesometriale Resektion erweist sich im Hinblick auf ihre neue Radikalität als bahnbrechende Innovation in der operativen Krebstherapie.
[idw, "The Lancet Oncology"01.06.2009 / www.uni-leipzig.de/~ufk]
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