Solariumnutzung für Minderjährige verboten
Der Bundestag beschließt am 19.06.2009 eine gesetzliche Regelung die es Minderjährigen untersagt, Sonnenbänke in öffentlichen Einrichtungen wie Sonnenstudios, Sportstudios/Solarien, etc. zu nutzen.
Hintergrund des Verbotes ist es, die Anzahl der Hautkrebserkrankungen (besonders Schwarzer Hautkrebs) zu verringern.
Die Entscheidung das Verbot per Gesetz zu regeln, stützt sich auf eine Studie des Mannheimer Instituts für Public Health.
Studie belegt geringes Risikobewusstsein
Fünfhundert Mannheimer Bürger im Alter zwischen 18 und 45 Jahren wurden im Rahmen einer bevölkerungsbezogenen "SUN-Study" (Sunbed-Use: Needs for Action-Study) zur Sonnenstudionutzung, der Besuchshäufigkeit sowie zu Ihren Motiven befragt. Zusätzlich wurde die Beratung in den Studios und das Risikobewusstsein der Solariumbenutzer erfasst.
Laut Studie gab es nicht unerhebliche Defizite im Beratungsumfang der Sonnenstudios sowie ein geringes Risikobewusstsein der Solariumbenutzer. Selbsbedienungsmünzer wurden von 44 Prozent der Nutzer bevorzugt, welche somit freiwillig auf Beratung und Service verzichteten. Aber auch in Studios in denen Personal zur Verfügung steht findet wenig Beratung statt:
etwa zwei Drittel der Nutzer wurden im Solarium noch nie über die Gesundheitsrisiken künstlicher UV-Strahlung aufgeklärt und mit 45 Prozent erhielten fast die Hälfte niemals eine Beratung zu Ihrem Hauttyp. In der Hälfte der Solarien standen den Nutzern keine Schutzbrillen zur Verfügung, wenn doch, wurden sie nicht verwendet.
Bedenklich: Wissen um Risiko schützt nicht vor übermässigem "Sonnenkonsum"
Der Mitarbeiter des Mannheimer Instituts für Public Health, Privat-Dozent Dr. Sven Schneider, ist Sozialepidemiologe. Er hat die Studie geleitet. Dr. Schneider kommt zu erstaunlichen Ergebnissen: "Trotz der schlechten Beratung wissen mehr als 90 Prozent der Nutzer, dass jeder Sonnenbrand einen bleibenden Schaden in der Haut hinterlässt und sowohl natürliche als auch künstliche UV-Strahlung das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, erhöht.
Vor diesem Hintergrund schätze ich als besonders bedenklich ein, dass das Wissen um die Risiken viele nicht von einem Besuch abhält. Solariennutzer gehen diese Gefahren also "sehenden Auges" ein. Dies gilt auch für Menschen, die zu einer der bekannten Risikogruppen für Hautkrebs zählen - etwa Personen mit heller Haut, Sonnenbranderfahrung, mit Pigmentmalen oder familiärem Melanomrisiko. Sie gehen genauso häufig wie der Durchschnittsdeutsche in ein Solarium, und das nur, um vermeintlich attraktiver zu sein oder das individuelle Wohlbefinden zu erhöhen. Viele davon sind Jugendliche."
Prof. Dr. Joachim Fischer, Direktor des Mannheimer Instituts für Public Health, begrüßt die neue gesetzliche Regelung: "Vor dem Hintergrund, dass bereits heute jeder dritte diagnostizierte Krebs ein gefährlicher Hautkrebs ist, sehe ich dies als Chance, die Zahl derer, die sich freiwillig dem Hauptrisikofaktor für Hautkrebs aussetzen, zu verringern."
Wissenschaftliche Veröffentlichung:
Die SUN-Study erscheint in Kürze in der wissenschaftlichen Zeitschrift Acta Dermato-Venerologica:
Schneider S., Zimmermann S., Diehl K., Breitbart E., Greinert R. (2008)
Risk awareness does not correlate with behaviour: Prevalence, motives and determinants of sunbed use in German adults, Acta Dermatol (in press)
[IDW,Universitätsklinikum Mannheim]
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